• Sabrina & Tom

#67 Die Goroka Show

Die Goroka Show findet immer über das Wochenende rund um den Unabhängigkeitstag statt. Es wird die Unabhängigkeit von den Australiern gefeiert, die den Papua Neuguienern am 16. September 1975 geschenkt wurde. Am Freitag sind ein paar Kindergruppen zu sehen, während am Samstag und Sonntag die Haupttage sind, an denen alle Gruppen zusammen kommen. Das Festival findet auf einem umzäunten Sportplatz statt, während die angrenzenden Bereiche für Stände genutzt werden, auf denen von Fast-Food-Essen wie gegrillte, süße Kartoffeln und Bananen bis zu aufwendigem Kunsthandwerk alles angeboten wird. Wir haben den Freitag nur auf dem Gelände verbracht, um Doux, Mota, Oli und die Familie Inae zu besuchen, die dort an ihrem Stand Honig verkauften und auf ihr Projekt aufmerksam machten – einen Einblick gibt es in der Slideshow:


Das ist Mota mit seiner Frau und seiner zuckersüßen Tochter

Der Eintritt für das Gelände kostet 10 Kina, was umgerechnet ca. 2,50€ sind. Wir haben durch den Zaun mal kurz hinein geschaut und ziemlich schnell festgestellt, dass wir zu weit weg sind, um wirklich etwas sehen zu können. Daher haben wir beschlossen, für die kommenden beiden Tage ein VIP-Ticket zu holen, um auf den Sportplatz und näher an die Gruppen heran zu kommen. Fagume, Kellys Tochter, hatte für uns herausgefunden, dass wir die Tickets im „Birds of Paradise“ Hotel bekommen, also hatten wir uns auf den Weg dorthin gemacht und für 200 Kina pro Person (ca. 50€) Tickets geholt. Dieses Hotel scheint das einzige in Goroka zu sein, das zum Preis von 100€ die Nacht einen westlichen Standard bietet. Für weitere 50€ pro Person am Tag gibt es hier auch noch die Vollpension dazu und man kann sich die Zeit statt auf staubigen Straßen im hauseigenen Pool vertreiben. Kein Wunder also, dass wir hier nach einer Woche zum ersten Mal wieder auf „Weiße“ trafen, die in der Hotellobby auf ihren Bus zum Festivalgelände warteten. Angezogen und ausgestattet mit allem, was man so für eine Dschungel-Safari braucht, fragten wir uns, ob die betuchten und größtenteils älteren Herrschaften eigentlich wussten, wohin sie nun gehen. Wir holten an der Rezeption unsere Tickets und schlängelten uns am Bus vorbei, zurück auf die staubige Straße und wieder mitten hinein ins bunte Treiben. Leider gab es nur 3-Tages-Tickets und es wäre besser gewesen, die Tickets schon morgens zu holen, denn damit hätten wir uns den Eintritt für Freitag gespart und die Kindergruppen von nahem sehen können aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.

Als wir mit unseren Tickets am Samstagmorgen aus dem Dschungel auf die Straße traten, waren wir umzingelt von Stämmen, die sich auf dem Weg zum Festivalgelände befanden. Es hatten wohl viele einen kostenlosen Unterschlupf in der Gegend gefunden, in der auch wir wohnten. Schon auf der Straße kamen wir ganz schön ins Staunen.

Als wir dann endlich das Festivalgelände betraten und auf die Wiese des Sportgelände kamen, waren bereits viele der Gruppen da. Von der Küstenregion bis von den höchsten Berge waren sie angereist, um sich und ihre Tradition auf der Goroka Show zu zeigen. Wir waren bei diesem Anblick einfach nur überwältigt.

Ein Besuch in Papua Neuguinea und diese Show zu sehen, war ein Traum von uns beiden gewesen, der bei unseren Vorbereitungen für diese Weltreise als allererstes auf der Liste gestanden hatte. Nun wurde er wahr, wir standen mitten im Getümmel der Goroka Show und konnten unsere Finger nicht vom Auslöser der Kamera nehmen. Bevor wir aber in die bunte Welt eintauchen, die sich vor unseren Augen auftat, möchten wir euch noch ein paar andere einzigartige Exemplare vorstellen:


Die Stämme der Simbu Provinz

Simbu, die Provinz, die wir bei der Auslieferung der Bienenkästen bereits kurz besucht hatten, wird als „Chimbu“ ausgesprochen und manchmal auch so geschrieben. Den Namen hat die Provinz aus der Zeit, in der Offiziere den Stämmen Äxte und Messer aus Stahl mitbrachten, worauf diese „simbu“ also „sehr zufrieden“ antworteten. Die Stämme erkennt aus dieserProvinz erkennt man unter anderem an den schwarzen Cassowary-Federn, die sie auf dem Kopf tragen.

Manche der Stämme schmücken sich auch mit der immergrünen Blume, die sie vom Mount William holen, dem höchsten Berg Papua Neuguineas.

Die Stämme aus dieser Provinz haben alle eines gemeinsam: sie zeigen ein soziales Ritual, das dafür da ist, sich kennen zu lernen. Dazu setzen sie sich nebeneinander und gegenüber, haken die Arme ein und schütteln die Köpfe nach links und rechts und schauen dabei die/denn Nebenmann oder Nebenfrau an. In den abgelegenen Dörfern der Provinz wird das heute immer noch gemacht, wenn die Frauen und Männer im heiratsfähigen Alter verkuppelt werden sollen. Dabei werden die umliegenden Dörfer eingeladen, es wird gemeinsam gegessen und getrunken und sich eben auf diese Art und Weise kennen gelernt.

Unserem Empfinden nach waren die Stämme dieser Provinz besonders offen und freundlich. Es wurde viel gelacht und interagiert. So passierte es auch, dass wir bei einer kurzen Pause im Schatten, kurzerhand von den Ladys der Nopara Singsing Gruppe umzingelt waren, die sich zu uns setzten und mit Sabrina solange sangen, bis sie mitsingen konnte – auch wenn sie nicht verstand was gesungen wurde. Den Ladys dieser Gruppe begegneten wir noch häufiger während der zwei Tage Show. Zum Abschied schenkten sie jedem von uns eine ihrer selbstgemachten Ketten als Andenken.

Ebenfalls spannend fanden wir auch diese Singsing Gruppe aus Simbu mit ihrer Performance:

Ganz zu schweigen von einer Truppe, die mit brennenden Hüten ankam.


Die Stämme rund um Mount Hagen

Der Auftritt der Stämme aus der Provinz Mount Hagen war im Vergleich zu den anderen schon beinahe etwas aggressiv. Zuerst es schienen ausschließlich Männer-Gruppen zu sein, die in einer klaren Formation den Sportplatz betraten, ihr Gesang erinnerte dabei eher an Schlachtrufe, mit denen man imponieren bzw. einschüchtern wollte. Besonders auffällig waren die aufwendig geschminkten Gesichter, mit klar definierten Linien und knalligen Farben – aber schaut es euch in der Slideshow am besten selbst in Ruhe an.

Beindruckend war ebenfalls eine große Gruppe korpulenter Frauen, die wir später entdeckten und die mächtige Muschelketten um den Hals, viele Federn aus dem Kopf und schlichte Baströcke um die Hüften trugen. Die Muscheln der Ketten, wurde uns beim gemeinsamen Durschauen der Bilder von Kelly erklärt, seien früher die Währung gewesen, mit der bezahlt wurde. Daraus leitet sich auch der heutige Name „Kina“ für die Währung in Papua Neuguinea ab. Bei genauerem Betrachten fanden wir auch den ein oder anderen Mann in der Gruppe.


Die Stämme der Region Goroka

Diese Stämme erkennt man meistens am Kopfschmuck, der aufwendig und breit aufgefächert ist, aber das könnt ihr in der Slideshow selbst entdecken.

Die Mudmans von Azaro gehören ebenfalls zu Goroka. Wir hatten ja bei unserer Ankunft die beiden Mudmans John und Max kennen gelernt und gehofft, sie wieder zu treffen. Leider hatten wir kein Glück. Ansonsten müssen wir leider auch gestehen, dass uns die Mudmans nicht so überzeugt haben. Sobald man in die Nähe von ihnen kam und es sich genauer anschauen wollte, zogen sie kleine Minitatur-Masken aus dem Beutel und wollten sie recht penetrant verkaufen. Dazu kam, dass die Hitze unter den Masken (oder der Rausch vom Vortag) wahrscheinlich schwer auszuhalten war, weshalb die meistens ohne Masken in der Wiese saßen.

Sehr süß war auch eine Gruppe, die die Jahre zuvor von Kelly finanziell unterstützt wurde, Bienen darstellte und Werbung für Mountain Honey machte.

In der Slideshow findet ihr noch mehr Bilder einzelner Gruppen der Provinz Goroka und auch wenn es schon ziemlich viele Bilder sind, glaubt uns, es waren noch viele viele mehr und wir haben Stunden mit aussortieren verbracht. Hihi.


Die Stämme der Küstenregion Madang

Etwas scheuer und gleichzeitig sehr verspielt erschienen uns die Singsing Gruppen aus Küstennähe. Die Gruppe Yagas hatten wir bei den Vorbereitungen begleitet und als wir die anderen Gruppen sahen, fiel uns auf, dass manche davon ein paar typische Merkmale gemeinsam hatten. Da war zunächst die rote, ölige Farbe, mit der Gesicht und Körper eingerieben wurde, auch die Baströcke und Muschelketten sahen wir wieder, genauso wie den Kopfschmuck aus Federn. Darüber hinaus hatten einige aus Holz geschnitzte Fische dabei und weitere Attribute aus dem Meer.


Besonders schön fanden wir auch eine Gruppe, die Hüte trug, die an selbstgemachte Schiffshüte aus gefaltetem Zeitungspapier aus der Kindheit erinnerten.

Und diese Herren, in der Slideshow, die ziemlich einzigartig waren:


Südliche Highlands

Aus dieser Region, genau genommen aus Tari, war diese unverkennbare Gruppe auf der Goroka Show. Ihr Gesicht knallig gelb und rot geschminkt, auf dem Kopf ein Hut, der aus Haaren gemacht ist.

Und diese Gruppe, die wir Moosfrauen und Männer getauft haben:



Western Province

Der aufwendigste und wahrscheinlich auch schwerste Kopfschmuck gehört zu dieser Gruppe aus der westlichen Provinz. Leider nicht in Aktion zu sehen, aber man kann sich vorstellen, das man ganz schön Ausdauer mitbringen muss, um diesen riesen Turm auf dem Kopf zu tragen.


Morobee und East New Britain

Auch aus diesen beiden entfernten Provinzen sind Gruppen angreist. Aus Morobee (erstes Bild) was eine modernere Band da, aus East New Britain eine Singsing Gruppe, wo wir den kleinen besonders süß fanden.


West Sepik

Aus dieser Region war nur eine Gruppe vertreten. Das Areal um den Fluss „Sepik“ hatte uns vor unserer Abreise ebenfalls sehr interessiert. Die Körper sind mit einer Asche-Öl-Mischung schwarz eingefärbt und weiße Punkte zieren den Körper, ebenso wie die für die Region typischen Penis-Rohre, die die Potenz symbolisieren.

Rund um den Sepik gibt es noch allerhand Magie und uralte Bräuche, die sehr spannend zu sein scheinen und die wir gerne miterlebt hätten. Reisen ist in Papua Neuguinea aber nicht so einfach, daher mussten wir uns einiges für einen weiteren Besuch aufsparen. Dazu und zum täglichen Leben in Papua, das nicht weniger spannend ist, als die Goroka Show, gibt es mehr im kommenden Blogbeitrag.


Aber vorher gibt's auch noch ein paar Bilder von uns in voller Aktion:


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