• Sabrina & Tom

#91 Sayulita und der Presslufthammer

Wie berichtet, hatten wir einen Tag vor Abreise nach Sayulita ordentlich Tequila getankt, was mit Tequila in Deutschland mit Sicherheit in einem ordentlichen Kater geendet hätte. Am nächsten Tag ging es uns aber absolut spitze ohne jegliche Anzeichen von Kater, was gut war, denn wir hatten ein paar Stunden Busfahrt auf Serpentinenstraßen vor uns, um wieder ans Meer zu kommen. Es war Zeit, uns mal wieder etwas aufzuwärmen. Wir wissen ja, dass ihr gerade Winter habt und wollen auch gar nicht so doll jammern, aber zu unserer Verteidigung: wir sind für kalte Temperaturen einfach nicht ausgestattet. Keine Winterjacke, keine Schuhe, die warm geben, keine Heizungen hier… Wir waren also auf dem Weg ans Meer und freuten uns riesig auf 2 Wochen Entspannung und mal wieder etwas langsam machen.


Bei strahlendem Sonnenschein und um die 30 Grad, schnallten wir uns die Rucksäcke auf den Rücken und kamen ganz schön ins Schwitzen, als wir von der Bushaltestelle zu unserer ersten Airbnb liefen. Die Straßen waren sandig, die Häuschen bunt, es roch nach Meer und nach ein paar Metern schwirrte ein Kolibri neben Sabrina um einen Hibiskus-Strauch. Das war der erste Kolibri, den sie je gesehen hatte und die Faszination war so groß, dass völlig vergessen wurde ein Bild zu machen, daher müsst ihr euch das jetzt einfach vorstellen.


Es fing auf jeden Fall erstmal gut an mit Sayulita. Mit diesem Satz ahnt ihr wahrscheinlich schon, dass sich das änderte. Und das tat es ziemlich genau, als wir unsere erste Wohnung betraten. Die war nämlich ein nicht sehr gelungener Versuch ein Kellerloch gemütlich zu machen. Dazu kam dann auch noch, dass es nicht wirklich sauber war. Wir hatten es zum Glück nur für zwei Tage gebucht, denn die Airbnb, in die wir eigentlich wollten, war noch nicht frei und daher war es nur eine Übergangslösung.


Wir haben unsere Sachen abgelegt und sind dann auch relativ schnell wieder nach draußen gegangen, um mal ins Städtchen rein zu laufen und dem Meer Hallo zu sagen. Nachdem wir uns bereits in der Stadt durch ziemlich viele Menschen schlängeln mussten, standen wir dann völlig desillusioniert am Strand, denn hier waren mit Sicherheit mehr Liegestühle, Sonnenschirme und Menschen als Sandkörner zu sehen. Uff.

Das wurde ein ziemlich kurzer Spaziergang am Meer und wir sind wieder zurück ins Städtchen in der Hoffnung, dass sich die Menschenmasse nach den Feiertagen und Ferien wieder etwas auflöst.

Das Städtchen an sich war nämlich ziemlich schön und gemütlich. Zwischen den Häusern hingen Fähnchen in allen Farben und die Atmosphäre war entspannt.

Weniger entspannt waren dafür die Preise in den vielen kleinen Geschäften, in denen Designer ihre Kleidung und Accessoires anboten. Dieser Ort ist ganz auf amerikanische Touristen ausgelegt und davon gab es auch einige. Richtig gut war dagegen die Auswahl an Restaurants und Bars, die sich in den schmalen Gassen aneinander reihten. Nur der Spaziergang durch das eigentlich süße kleine Städtchen war etwas anstrengend, weil nicht viel Platz war und Verkehr wie während der Rush Hour einer Großstadt. So viel aber nur zu unseren ersten Eindrücken von Sayulita, denn hier sollten wir die kommenden 2 Wochen verbringen.

Nach den ersten beiden Nächten in unserem etwas besseren Keller, freuten wir uns schon sehr auf die neue Airbnb Wohnung, packten recht früh morgens unsere Sachen zusammen und schlenderten etwas aus dem Städtchen raus, um die „ruhige“ Straße zu kommen, die beschrieben war. Als wir ankamen, waren wir erstmal etwas verblüfft, denn wir hatten eigentlich gedacht, dass wir alleine sind. Der Außenbereich, der auf den Bildern zu sehen war, war aber bereits mit Handtüchern und Spielzeug okkupiert, das wohl zur Wohnung unter uns gehörte. Das Zimmer war auch nicht, wie vom Host angekündigt, geputzt, sondern wir trafen auf die Putzfrau, die noch fleißig zugange war. Und während wir so vor der Tür warteten, dass wir rein können, ging es los: der Presslufthammer schallte so laut von der Baustelle genau neben dran, dass wir Schwierigkeiten hatten, uns zu unterhalten. So viel zur Ruhe.

Das Zimmerchen war an sich ja ganz süß. Es war neu gemacht, hatte eine kleine Küchenzeile und ein Badezimmer – nur irgendwie fehlte ein Platz zum Sitzen, denn es gab weder Tisch noch Stühle und Essen im Bett mag hin und wieder mit einer Pizza ja ganz nett sein, ist aber keine Dauerlösung. Als wir uns ins W-lan einloggen wollten, hatten wir dann auch schon das nächste Problem: es gab keins. Nach etlichen Sprachnachrichten auf Whatsapp zwischen unserem Host und uns, hatten wir dann auch die Quelle gefunden: das Internet war über einen Hotspot von einem Handy zu erreichen, das hinter unserem Kühlschrank versteckt war. Interessant. Er verriet uns den Pin, wir aktivierten den Hotspot und hatten ein so schwaches Signal, dass es gerade mal zum Lesen von Whatsapp-Nachrichten reichte. Zudem teilte uns unser Host mit, dass er lediglich 3GB aufgeladen hatte und wir uns das für die 2 Wochen einteilen sollen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, denn die zwei Wochen wollten wir nutzen, um Blogbeiträge zu schreiben und ein bisschen an der Webseite zu basteln. Wir sprachen die Themen und vor allem den Lärm ganz offen an und teilten ihm mit, dass wir es versuchen würden aber nicht sicher sind, ob wir nicht stornieren müssen, denn vor allem der Lärm war unerträglich. Nach zwei weiteren Tagen war dann klar: das geht gar nicht. Denn wenn nicht gerade der Presslufthammer auf der einen Seite am Werk war, meldeten sich Hammer und Säge der Baustelle auf der anderen Seite des Hauses und war es mal auf beiden Seiten ruhig, konnte man Gift drauf nehmen, dass ein voll beladener LKW über die Kiesstraße vorm Haus rumpelte oder ein Nachbar mit einem der lauten Quads drüber raste. Noch so ein absolutes Unding in Sayulita: jeder Einheimische, der was auf sich hält, schien sich hier mit einem der lauten Quads fortbewegen zu müssen. Da waren uns die vielen kleinen Elektro-Golfwägelchen, mit denen die Touris größtenteils unterwegs waren, doch viel lieber – wenns auch ein bisschen schräg aussah. Wir benutzen übrigens einfach unsere Beine um von A nach B zu kommen.


Nach längerem hin und her aufgrund von Rückerstattungen mit unserem Host und Airbnb, hatten wir dann nicht viel Geld kaputt gemacht und konnten binnen weniger Tage in die 3. Airbnb umziehen. Noch weiter außerhalb, dafür ohne Baulärm aber mit ein paar Hühnern und Hähnen, die beim Nachbarn nebenan wohnten. Wenn auch zeitweise etwas laut, war es doch nichts im Vergleich zu den Tagen zuvor. Wir fühlten uns bei Lesslie und Martin, unserem Host Pärchen auf jeden Fall sehr wohl.

Da wir das mit der Wohnung nun endlich gelöst hatten, war esvZeit, sich den schöneren Dingen zu widmen. So machten wir beispielsweise einen Salsa-Kurs, zu dem sich Tom breit schlagen ließ. Er stellte sich auch gar nicht so schlecht an – wenn er auch nach zwei Stunden über schmerzende Füße klagte und lieber zuschauen wollte.


Einen Tag verbrachten wir mit Mike, den wir auf der Tequila-Tour kennen gelernt hatten und der auch gerade an der Küste war und Paulina, die wir beim Salsa Kurs kennen gelernt hatten. Gemeinsam machten wir eine kleine Wanderung zu einem einsameren Strand, der eine schöne Abwechslung zum immer noch leicht überfüllten Stadtstrand war. Tom begleitete Mike zurück zum Bus, während Sabrina und Paulina noch gemeinsam den Sonnenuntergang genossen, denn es war Paulinas letzter Tag am Meer bevor es zurück nach Deutschland ging. Auf dem Rückweg zur Stadt verliefen sich die beiden dann noch etwas, schafften es aber dann doch noch, Tom wieder einzusammeln, um gemeinsam noch was Abendessen zu gehen. Paulina zeigte uns ihr Lieblingsrestaurant, das dann auch zu unseren Favoriten gehörten und wo wir sehr leckere Schrimp-Tacos hatten.

Danach war es dann mit den Ausflügen aber erstmal vorbei. Paulina schrieb noch am selben Abend, dass es ihr irgendwie nicht so gut geht und sie Probleme mit dem Magen hat, Sabrina erwischte es dann einen Tag später. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es nicht mit dem Essen im Restaurant zusammen hing, sondern wir uns irgendwo mit einer Magen-Darm-Grippe angesteckt hatten. Für Sabrina war auf jeden Fall erstmal 3 Tage Bett angesagt, der Verdauungstrakt spielte verrückt und das Fieber ließ auch nicht lange auf sich warten. Als es dann endlich wieder bergauf ging, waren da noch so ein paar Sachen, die wir uns anschauen wollten und wir machten erneut zwei Ausflüge. Einmal an den Strand „Des Los Muertos“, der ebenfalls etwas ruhiger und zum Baden geeignet war. Etwa 10 Minuten Fußmarsch später, hatten wir dann auch den bunten Friedhof erreicht, der dem Strand seinen Namen gab.

Bereits die Azteken sahen den Tod nicht als das Ende an, sondern als eine Übergangsphase in ein neues Leben. Auch heute glauben die Mexikaner noch daran, dass die Toten im Jenseits verweilen und einmal im Jahr zu den Lebenden zurückkehren, um mit ihnen ein Fest zu feiern. Das geschieht vom Vorabend von Allerheiligen bis zum Gedächtnis Allerseelen am 2. November. Diesen „Dia de los Muertos“ haben wir leider verpasst, aber wenn man die farbenfrohen Friedhöfe in Mexiko sieht, bekommt man eine Ahnung davon, wie wichtig den Mexikanern der Totenkult ist und das der Tod hier kein Grund zur Trauer ist.


Apropos Feste und Feiern: einen Abend ließen wir beide es auch ordentlich krachen. Das muss man in Sayulita einfach gemacht haben. Der Abend startete ganz unverhofft mit einem Abendessen und einem anschließenden Cocktail in einer Bar mit zwei Jungs, die ziemlich gute Live-Musik spielten. Und da die beiden so gut waren, tranken wir einfach noch einen Cocktail und noch ein Bier und waren schon etwas beschwipst, als die Bar zumachte. Sabrina war noch nicht nach Bett zumute, denn das hatte sie nun 3 Tage lag gehabt und so konnte sie Tom zu noch einem Bier in einem Club überreden… das Ende war, dass wir jeden Club in Sayulita besucht hatten, in dem am längsten geblieben sind, der uns so sehr an Berlin erinnerte, einen sehr lustigen und wundervollen Abend hatten und auf dem Nachhauseweg Salsa auf der Straße tanzten. Party können sie auf jeden Fall in Sayulita – wenn man das aber nicht jeden Abend will, sollte man sich eine Unterkunft außerhalb der Innenstadt suchen, denn die diversen Clubs beschallen die Straßen und Hotels bis in die Morgenstunden und das eigentlich jeden Tag.

Wesentlich ruhiger ging es da in San Francisco oder auch San Pancho zu, dem Nachbardorf, wo wir ebenfalls einen Nachmittag verbrachten. Es war einfach mit dem öffentlichen Bus zu erreichen und so schlenderten wir durch die wesentlich leereren Gassen und chillten ein bisschen am Strand. Wir fanden es nicht weniger charmant als Sayulita und würden es wahrscheinlich eher empfehlen, wenn man nicht unbedingt nach der Suche nach viel Trubel und Partys ist.

Ebenfalls erwähnen möchten wir, dass wir 2 Tauchgänge gemacht gaben. Das aber gar nicht so sehr aufgrund der faszinierenden Unterwasserwelt an der Pazifikküste – das hatte uns nämlich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Und auch die Mädels, die wir dabei hatten und die offensichtlich den Rausch vom Vorabend noch nicht ausgeschlafen hatten, was nicht nur ziemlich gefährlich und dumm war, sondern uns auch noch Zeit für unsere Tauchgänge raubte, sind eigentlich keine Erwähnung wert. Dennoch gab es etwas, dass uns richtig umgehauen hat: Wale! Wir haben zum ersten Mal Wale gesehen. Zwar sind sie nicht komplett aus dem Wasser gesprungen, aber schon allein die mächtigen Flossen aus dem Wasser auftauchen zu sehen war ein sehr besonderes Erlebnis. Auf diese Entfernung bekommt man ein Gefühl dafür, wie groß diese sanften Riesen tatsächlich sind. Und wenn man dann auch noch die Flosse eines Baby Wals neben der der Mutter auftauchen sieht, ist man absolut hin und weg.

Unseren letzten Tag in Sayulita ließen wir ruhig ausklingen. Wir machten uns erneut auf, um einen der ruhigeren Strände aufzusuchen, den Lesslie uns empfohlen hatte. Nach einem längeren Spaziergang durch den Dschungel kamen wir dann auch an einem wundervollen beinahe einsamen Strand an, wo wir den restlichen Tag genossen.

Damit waren die 2 Wochen Sayulita ziemlich schnell verflogen und es war Zeit aufzubrechen. Die liebe Lesslie fuhr uns am kommenden Tag noch zum Bus und wir waren ein bisschen traurig, dass unsere Zeit schon zu Ende war. So sehr uns der Lärmpegel anfangs in Sayulita zugesetzt hatte, hatten wir das Städtchen mit seinem besonderen Flair doch ins Herz geschlossen und auch Lesslie und Martin lieb gewonnen. Die vielen lustigen Unterhaltungen über das Reisen und die typisch britische bzw. mexikanische Lebensweise (Lesslie hatte britische und amerikanische Wurzeln und lebte seit 17 Jahren in Mexiko) würden uns auf jeden Fall fehlen. Dennoch, für uns ging es weiter. Mit einem Zwischenstopp für eine Nacht erneut in Guadalajara ab nach Guanajuato, wo ihr euch auf eine wahnsinnige Aussicht und den wohl seltsamsten Museumsbesuch in unserem Leben freuen könnt. Davon aber im nächsten Artikel mehr.


Bis es soweit ist, wollen wir aber noch eine kleine kulinarische Reise mit euch machen. Hier seht ihr die Highlights unserer 2 Wochen in Sayulita. Egal was man übrigens bestellt, der Weizen- bzw. Maisfladen darf nirgends fehlen..


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