• Sabrina & Tom

#92 Die Farben und der Tod in Guanajuato

Mit einem Stop in Guadalajara über Nacht ging es weiter nach Guanajuato und damit weg vom Meer und den warmen Temperaturen. Wir hatten uns für den Zwischenstopp entschieden, weil wir nicht über Nacht fahren wollten. Mit den gängigen Busunternehmen, die die Mautstraßen nutzen, ist es zwar eigentlich kein Problem nachts zu fahren aber wir wollten auf Nummer sicher gehen und natürlich auch aus dem Fenster schauen und die Landschaft genießen können.


Als wir am Busbahnhof in Guanajuato ins Uber stiegen, um zu unserer Airbnb zu gelangen, durchfuhren wir etliche schmale Tunnel, meist einspurige Einbahnstraßen mit Steinwegen. Es hatte schon fast etwas Mediterranes.

Unsere süße kleine Airbnb war am Berg gelegen, wie eigentlich alles hier. Es ging entweder den Berg hoch oder den Berg runter. Was am Ende des Tages etwas anstrengend war, aber dafür sorgte, dass man eine tolle Aussicht auf die Stadt hatte. Die sollten wir aber erst ein paar Tage später genießen können, denn bereits am ersten Tag nach Ankunft hatten wir uns ordentlich erkältet. Irgendwie waren unsere Köper mit dem Temperaturwechsel von 30 Grad auf Meereslevel zu 13 Grad auf 2000 Metern nicht so ganz einverstanden. Wir machten also erstmal langsam, tranken Ingwer- und Kamillentee, akklimatisierten uns und verlängerten die Airbnb noch mal um ein paar Tage, dass wir noch genügend Zeit hatten, uns die Stadt in Ruhe anzuschauen. Die Entdeckungspause war auch erstmal nicht schlimm, denn draußen war es grau und regnete sowieso.


Mit den ersten Sonnenstrahlen nach ein paar verregneten Tagen freuten wir uns umso mehr, als wir morgens die Airbnb verließen, um einen langen Spaziergang zu machen. Kleine schmale Gässchen, gesäumt von Häusern in allen Farben, die von der Sonne angestrahlt wurden – das war wunderschön und machte eine ganz wundervolle Atmosphäre. Wir fanden es auf Anhieb toll hier aber lassen gerne auch noch die Bilder für sich sprechen.

Nach etlichen Stufen gelangten wir auch zu einer Aussichtsplattform, von wo aus wir eine absolut herrliche Sicht auf das bunte Städtchen hatten. Nicht nur die bunten Häuschen hatten es uns angetan, sondern auch die tolle Architektur.

Da wir uns nicht so richtig entscheiden konnten, welche Bilder wir euch zeigen, gibt es in der Slideshow noch mehr von der Aussicht :)

Es war toll, einfach so durch das Städtchen zu spazieren, daher machten wir genau das die darauf folgenden Tage immer wieder und entdeckten hinter fast jeder der Häuserecken schöne Plätze und Aussichten und verweilten gerne hier und da, um das täglichen Leben aufzusaugen. Es war herrlich entspannt hier und die Menschen sehr freundlich. Abends zogen die typischen Mariachi Sänger mit Touristen durch die Straßen, erzählten hier und da etwas über die Geschichte der Stadt, machten Halt vor Bars, wo es Mescal zu trinken gab und beschallten die Gassen mit ihren mal heiteren oder schwermütigen Liebesliedern.

Apropos Liebe: In Guanajuato hat sich eine Liebesgeschichte ereignet, nach der eine Gasse benannt wurde und die zahlreiche mexikanische Paare hierher bringt. Diese Geschichte wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.


Wie es eben so passiert, verliebten sich ein Mädchen und ein Junge ineinander. Sie aus gutem Hause, auf Besuch bei ihrem Vater, der eine Silbermiene besaß und ordentlich Schotter hatte, er der Sohn eines Mienenarbeiters. Sie wollten sich so gerne wieder treffen, hatten aber zu große Angst vor der Reaktion ihrer Familien. Der arme Kerl schaffte es nach einiger Zeit, sich ein Zimmer gegenüber des Hauses zu mieten, in dem die Angebetete wohnte. Da der Balkon seines Zimmer über der schmalen Gasse dicht am Balkon des Mädchens lag, konnten sie sich so nachts heimlich sehen und küssen. Das liebende Paar blieb nicht unbeobachtet und so munkelte man bald in ganz Guanajuato vom jungen Liebesglück, was natürlich auch dem Vater des Mädchens zu Ohren kam. Was er zuerst nicht glauben wollte, bewahrheitete sich, als er eines Nachts dem Schlaf trotze und den Liebenden auflauerte. Außer sich vor Zorn, was er da sah, packte er den Jungen am Kragen, der überrascht versuchte zurück auf seinen Balkon zu springen. Über den darunter liegenden Treppen lies der Vater los und der Junge prallte auf den Treppen auf und war sofort tot. Auch die Tochter wurde nicht verschont, er dreschte mit einem Holzknüppel auf sie ein, sodass sie vom Balkon sprang, wo sie dasselbe Schicksal ereilte.

Auch heute noch sollen die Seelen der beiden auf den Treppen wandeln und jungen Liebenden Glück bringen, wenn sie sich auf der 3. Treppenstufe küssen. Da wir keine jungen Liebenden mehr sind und unsere Beziehung schon seit 9 Jahren ganz gut ohne Zutun der beiden funktioniert, verzichteten wir sowohl auf den Kuss auf dem Balkon als auch auf den auf den Treppen. Wir wollten den Mexikanern den Vortritt lassen und hatten Freude dabei die küssenden Paare zu sehen.

Und wenn wir schon bei jungen Liebenden sind, dann möchten wir noch erwähnen, dass wir in Mexiko viele davon auch außerhalb dieser Gasse gesehen haben. Eng umschlungen, etwas abseits und versteckt, innig küssend auf Parkbänken, hinter Statuen, in Seitensträsschen beim Sonnenuntergang. Schön war das!


Unsere Romantik war eher ein toller Start in den Tage mit einem leckeren Frühstück im Santo Cafe, wo wir eine tolle Aussicht auf das Treiben in der Stadt genossen und Pläne für den Tag schmiedeten.

Gegen Mittag holten wir uns beim Bäcker süße und herzhafte Stückchen und waren begeistert, dass es neben den immer präsenten Mais- oder Weizenfladen hier auch richtig gute Brötchen und Gebäck gab. Okay, wir waren nicht nur begeistert. Wir sind fast ausgrastet vor Glück, als wir den Bäcker entdeckt haben – aber das kann man nach beinahe einem Jahr ohne gutes Brot und Brötchen als Deutscher ja auch mal. Schaut euch dieses Backwarenparadies an:

Weniger „appetitlich“ gestalte sich unser letzter Tag in Guanajuato. Wir hatten sowohl von unseren Hosts in Sayulita gehört, als auch in der Broschüre unserer Airbnb von Mumien gelesen, die man sich hier anschauen kann. Wie im letzten Beitrag bereits erwähnt, haben die Mexikaner eine eigene Sicht auf den Tod und können ihm auch durchaus etwas humorvolles abgewinnen. Wir beide sind ja bekanntlich keine Mexikaner und daher überlegten wir wirklich lange hin und her, ob wir uns das wirklich anschauen wollen. Als der letzte Tag trüb und regnerisch war und die Neugier die Oberhand gewann, machten wir uns also auf den Weg ins Museum. Bevor wir euch aber mitnehmen und schon mal vorwarnen wollen, dass die Bilder eventuell nichts für schwache Mägen oder Kinderaugen sind, möchten wir euch noch ein bisschen erzählen, was es mit den Mumien auf sich hat.

Allesamt stammen aus einer Zeit, in der die Cholera in Guanajuato ausgebrochen war. Sie wurden 1833 beigesetzt, wo sie zwischen 1865 und 1958 wieder ausgegraben wurden weil ein neues Gesetz von den Angehörigen eine Steuer für die Grabstätten verlangte. Wer nicht bezahlte, dessen oder deren Angehörige wurden einfach ausgegraben. Bei den Ausgrabungen wurden eine handvoll natürlich mumifizierter Körper entdeckt, was sich schnell rum sprach. Es ging nicht lange, bis die ersten Besucher kamen, die es sehen wollten und was damit begann, dass Friedhofsarbeiter ein paar Peso dafür verlangten, um das Gebäude aufzuschließen, in dem die Mumien gelagert wurden, endete in einem Museum, an dessen Eingang wir beide standen und nicht wirklich wussten, was uns erwartete. Bilder der Mumien sind wohl auch im Film Nosferatu von Werner Herzog zu sehen – wir sollten sie gleich direkt vor der Nase haben.


Mit einer Mischung aus Abneigung, ja fast schon Ekel und purer Faszination schlenderten wir also durch die dunklen Gänge, in denen die Mumien mit hellem gelben Licht angestrahlt wurden. Wo es mehr Informationen zur Mumie gab, fand man kleine Schilder, auf denen handgeschrieben etwas zu den Eigenheiten der Mumifizierung, hier und da auch zum Leben des/der Toten auf Spanisch und Englisch stand. Etwas befremdlich war, dass es aus der Ich-Perspektive geschildert wurde.

Manchmal hielten wir länger vor einer Mumie an und staunten über gut erhaltene Schuhe oder Kleidungsstücke, in der der Körper steckte. Manchmal zwang uns ein verzerrter Gesichtsausdruck dazu, schnell daran vorbei zu gehen, denn wir hatten auch gelesen, dass es nicht unüblich war, Lebende mit Cholera zu begraben. Im Museum selbst wurden die verzerrten Gesichter aber damit erklärt, dass sich im Prozess der Mumifizierung die Haut verzieht und das die Gesichtsausdrücke begründe.

Richtig schwer fiel es uns aber, einen Blick in die kleinen Glaskästen zu werfen, in denen Kleinkinder und Babies gezeigt wurden. Und auch am Ende der Ausstellung, als wir an der kleinsten Mumie der Welt, einem Embryo, ankamen, mussten wir schnell weiter. Der Tod gehört zum Leben und diese Ausstellung ist sicherlich ziemlich einzigartig auf der Welt aber uns war erstmal für eine Weile nicht nach Essen zumute. Wir sind uns im Nachhinein auch nicht sicher, ob wir den Besuch im Museum tatsächlich gebraucht hätten. Aber damit hat unsere Zeit in Guanajuato geendet und ihr entscheidet am besten selbst, was ihr davon haltet. Und wenn ihr wollt, schreibt uns doch eine Nachricht, denn wir freuen uns, eure Meinung darüber zu lesen.


Für uns ging es die kommenden Tage recht zügig weiter, noch tiefer in die Berge. Dort haben wir einen halben Tag und eine Nacht in San Miguel de Allende verbracht, wovon wir euch ebenfalls berichten wollen – im kommenden Artikel.

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