• Sabrina

#99 Puerto Escondido zum etwas anderen Valentinstag

Erst Morgens auf dem Weg zum Minivan, der mich ins Küstenstädtchen Puerto Econdido bringen sollte, ist uns beiden aufgefallen, dass wir wohl den kommenden Valentinstag alleine verbringen würden. Nicht, dass wir den Tag bisher irgendwie besonders gefeiert hätten – und der Valentinstag 2019 hatte sich kurz vor Abreise zwischen Kartons in unserer Wohnung abgespielt – aber wir waren zumindest immer zusammen gewesen. Für diese Erkenntnis war es nun aber leider auch zu spät und so räumte ich den Rucksack in den Kofferraum, nahm auf meinem Sitz Platz, die Türe ging zu, ich winkte Tom nochmal zum Abschied und die Fahrt ging los. Die ersten Kilometer waren sehr angenehm, ich hatte viel Platz, konnte die Beine ausstrecken und mich mit Kathrin und Elke unterhalten, zwei Mädels aus Deutschland die dasselbe Ziel hatten wie ich.

Das mit der Beinfreiheit änderte sich aber bald darauf, denn wir luden unterwegs noch eine Familie ein. Die Oma nahm neben mir Platz, die Mutter mit ihren beiden Kids – ein zuckersüßes Mädel so um die 6 Jahre und ihr Bruder, ein nicht weniger süßes Baby inklusive der Mutter, mir gegenüber auf einem Notsitz. Das, was bisher mein Fußraum gewesen war, war nun der Lagerplatz für diverse Taschen und Kartons der Familie. Ich zog also die Schuhe aus und machte es mir im Schneidersitz gemütlich. Auch wenn ich anfangs etwas unglücklich über die nicht mehr vorhandene Beinfreiheit war, so war es doch ziemlich lustig mit der Familie. Ich verstand zwar kein Wort aber die beiden Frauen schienen viel miteinander zu scherzen und steckten mich mit ihrem herzlichen Lachen sofort an. Auch der kleine Junge fand mich spannend und als es der Mama auffiel, dass er mir die Hände entgegenstreckte, hielt sie ihn ein Stückchen in meine Richtung, damit er mich berühren konnte. Die nächsten Stunden verbrachte ich also damit, quatsch mit den Kids zu machen und die Aussicht zu genießen, denn es ging auf einer schmalen Straße immer höher hinauf in die Berge.

Nach gut 4 Stunden Fahrt, also nach etwa der Hälfte der Strecke, wurde der Minivan wieder etwas leerer und auch die Familie verabschiedete sich in einem kleinen Bergdörfchen. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt machten wir auf einmal mitten auf einem Berg und im Nirgendwo Halt und unser Fahrer stieg aus. Was ich zunächst als Pinkelpause deutete, stellte sich dann aber schnell als Panne raus. Aus einem weiteren Minivan, der die Strecke wohl in die entgegengesetzte Richtung fuhr, stieg ein weiterer Mann aus, der mit Werkzeug und Ersatzteilen unterm Arm gemeinsam mit unserem Fahrer anfing am Reifen rumzuhantieren. Spätestens als sie unter meinem Sitz den Wagenheber rausgeholt hatten, stiegen wir dann auch mal aus und schauten zu, wie die Bremsbeläge am hinteren Reifen ausgetauscht wurden. Nach gut einer Stunde in der prallen Sonne, wo tatsächlich Geier über uns kreisten (hatte ich vorher so auch noch nicht erlebt) und zwischendrin ein älterer Herr auf einem Esel aus dem Wald auftauchte und so plötzlich wieder verschwand, wie er aufgetaucht war, ging die Fahrt dann auch weiter – mit der Hoffnung, dass die beiden einen guten Job gemacht hatten.

Was bis dahin eine recht entspannte Fahrt gewesen war, wurde nun zur Rennfahrt. Unser bisheriger Fahrer hatte es sich auf dem Beifahrersitz gemütlich gemacht, während der andere nun hinterm Steuer saß und wie von einer Tarantel gestochen um die Kurven fuhr. Selbst zwischen zwei Bodenwellen, die es in Mexiko als Tempodrossler eigentlich überall gibt, wurde so stark beschleunigt, dass unmittelbar danach wieder eine Vollbremsung nötig war, um nicht über die Bodenwelle zu schanzen. So ging es die folgenden 3 Stunden und wir krallten uns an allem fest, was so in der Nähe war, um nicht durch den Minivan zu fliegen. Ich hatte bereits für eine ganze Weile eine leichte Brise Salz in der Nase und nach einer weiteren Kurve, in der die Reifen quietschten, war es dann endlich so weit: zwischen ein paar Bäumen zeigte sich das Meer am Horizont und damit hatten wir die Fahrt auch bald hinter uns gebracht.

Ziemlich erleichtert schnappten Elke, Kathrin und ich uns unser Gepäck und beschlossen nach der langen Fahrt, den Weg von Haltestelle zu unseren Unterkünften zu laufen. Es war auch am späten Nachmittag noch ordentlich heiß und wir kamen bei unserem Marsch ganz schön ins Schwitzen, aber wir hatten trotzdem ein Lächeln auf den Lippen, denn wir hatten es geschafft. Da meine Airbnb auf dem Weg der beiden lag, verabschiedeten wir uns hier erstmal voneinander und ich wurde hinterm Eingangstor zuerst von einem stürmischen aber sehr lieben hüfthohen Hund begrüßt, bevor auch meine beiden Hosts mich herzlich in Empfang nahmen und mir mein Zimmer zeigten. Ich lud erstmal ab, sprang unter die Dusche und lief danach sofort ans Meer. Man hatte ich das vermisst.

Zum Städtchen selbst kann ich euch nicht sehr viel erzählen (und viele Bilder habe ich auch nicht gemacht, denn ich habe Tom unsere Kamera überlassen). Es war deutlich ruhiger als Sayulita, was ich sehr mochte ­– es hatte ehrlich gesagt aber auch weniger Charme. Meine Airbnb lag etwa 10 Minuten zu Fuß von einer Straße entfernt, an der sich kleine Boutiquen, Bäckereien, Cafés und Restaurants aneinander reihen. Hier, in meiner Airbnb und am Strand spielte sich die meiste Zeit meiner Woche ab. Am allermeisten war ich aber natürlich am Strand. Am Playa Carrizalillo konnte man super schwimmen gehen, gleichzeitig die Surfer beobachten, die in einiger Entfernung die Wellen jagten und den herrlichen Sonnenuntergang anschauen.

Abends traf ich mich zwei Mal mit Kathrin und Elke zum Abendessen, wo wir es uns ziemlich gut gehen ließen und lange quatschten.

Eines meiner absoluten Highlights hier war aber ein Ausflug, den ich kurz vor Ende der Woche spät am Abend gemeinsam mit Tom machte. Er hatte gefragt, ob ich Lust auf ein Date mit ihm habe und uns eine Tour zur „Laguna de Manialtepec“ gebucht. Da Tom seine Woche ebenfalls am Strand und Meer verbringen wollte, hatte er sich das kleine Dörfchen Mazunte rausgesucht, das etwa 1,5 Stunden Fahrt südlich von Puerto Escondido entfernt liegt. Gemeinsam mit einem Taxifahrer und einem mexikanischen Pärchen, machte er sich dort los und dann wurde ich unterwegs in Puerto Escondido eingesammelt, um gemeinsam weitere 20 Minuten zur Lagune zu fahren. Dort angekommen, waren noch eine Handvoll weiterer Leute da und wir wurden auf zwei kleine Boote aufgeteilt, auf denen es anschließend in absoluter Dunkelheit auf die Lagune raus ging. Bisher hatten wir also noch nicht so viel gesehen und ihr fragt euch bestimmt schon, warum man sich eine Lagune anschaut, wenn es dunkel ist. Nun, wenige Minuten später stoppte das Boot und es war Zeit ins Wasser zu springen. Uns wurde übrigens versichert, dass es hier keine Krokodile gab und so hüpfte einer nach dem anderen vom Boot. Der Himmel war leicht bewölkt und wir hatten Neumond, ebenfalls wichtig, dass das, was wir dort dann erlebten, so richtig Spaß macht.


Als wir im Wasser waren und den ersten Schwimmzug machten, trauten wir unseren Augen kaum. Überall um uns herum, wo das Wasser aufgewirbelt wurde, funkelte das Plankton. Wir hatten sowas bereits auf den Philippinen mal gesehen, aber die Intensität hier war der absolute Wahnsinn. Es war wie durch Sternenstaub zu gleiten, ein Bad in silbernem Glitzer zu nehmen oder eben durch biolumineszierendes Plankton zu schwimmen, was wohl die korrekte Bezeichnung ist. Es war einfach unglaublich und wir wollten gar nicht mehr aus dem Wasser. Selbst Tom, der ja eigentlich nicht so ein Fan davon ist, nachts ins Wasser zu hüpfen und gar nicht zu sehen, was unter ihm ist, hatte einen riesen Spaß. Wir haben natürlich versucht mit GoPro oder auch der Kamera ein paar Bilder zu machen und es euch zeigen zu können, aber es musste eine Erinnerung bleiben, denn für unsere Augen war es gut sichtbar, für die Linse leider nicht.

Auf dem Heimweg waren wir uns einig, dass dieses Erlebnis zu den schönsten unserer Reise gehörte. Wir nutzen die Strecke zurück zu unseren Unterkünften, um ein bisschen zu besprechen, wie es weitergeht mit unserer Reise. Ich stieg in Puerto Escondido wieder aus, während Tom zurück nach Mazunte fuhr. Und während ich nochmal zwei Tage hier in Puerto Escondido am Stand verbrachte, bevor es auch für mich nach Mazunte ging, nimmt euch im nächsten Artikel Tom schon mal mit und erzählt euch von Krokodilen, Mangroven-Wäldern, einsamen Stränden und dem gemütlichen Hippie-Dörfchen.

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